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Sonntag, 3. Oktober 2010

Wahl

Heute wird gewählt, was bedeutet, dass ab morgen keine Flut an Flyern, die in Ermanglung eines Briefkastens über unsere Mauer geworfen werden, in unserem Hof liegt, dass keine tollen Wahlwerbesongs die Stille in unserem Haus stören und dass keine Wahlumzüge unseren Weg zur Bushaltestelle kreuzen.



Samstag, 18. September 2010

Wahlkampf

Im Oktober finden in Brasilien Wahlen statt. Der Wahlkampf hier tobt und ist einfach nicht zu übersehen und –hören. Man vertraut hier nämlich nicht nur auf Wahlplakate, die an jeder Ecke, in manchen Gärten und Autos zu finden sind, sondern setzt auch noch auf die akustische Untermalung.
So fahren Autos mit Lautsprechern durch die Straßen und spielen immer wieder das gleiche kurze Lied ab, in dem der Name und die Wahlnummer des Kandidaten vorkommen.
Als Clara und ich letztens nach der Arbeit zum Bus gingen, kam uns ein ganze Parade entgegen: Ein großer Wagen, der eins der besagten Lieder in voller Lautstärke wiedergab, dazu noch ein Mann mit Mikro, der das ganze kommentierte, und eine Menschenmenge mit Fahnen, die dem Lastwagen folgte. Ich habe das Gefühl, dass sich hier ziemlich viele Menschen im Wahlkampf engagieren und auch viele junge Leute machen dabei mit.
Ich glaub wenn die Wahl vorbei ist, werd ich den ganzen Trubel schon fast vermissen ;)

Freitag, 10. September 2010

Ein schöner Tag

Am Unabhängigkeitstag Brasiliens sind Clara und ich mit einer Gruppe von Freunden wandern gegangen. Bei strahlendem Sonnenschein erklommen wir den Berg und auf dem Weg hatten wir eine tolle Aussicht über Sete Lagoas.
Hier mal ein paar Fotos:



oben auf dem Berg


mancher von euch mag sich wundern aber ja, diesen steilen Hang bin ich heil runtergekommen ;)


in den Straßen von Sete Lagoas

Sonntag, 5. September 2010

Unabhängigkeitstag

Am Dienstag feiert Brasilien seine Unabhängigkeit, das find ich toll, weil ich dann nämlich am Montag und Dienstag frei hab ;-)
Am Freitag haben wir diesen Tag schon vorzeitig in der Creche gewürdigt. Alle Kinder versammelten sich und jeder bekam ein Zeitungshütchen auf den Kopf gesetzt. Einige Kinder wurden dann noch mit Trommeln, Flöten, leeren Plastikflaschen und anderen Folterwerkzeugen für meine Ohren ausgestattet und dann zogen wir in einer Parade durchs Viertel. Die komischen Deutschen, wie Clara und ich uns nennen, waren die einzigen tias (so werden hier die Erzieherinnen genannt), die es sich nicht haben nehmen lassen, auch ein fesches Zeitungshütchen anzuziehen :D
Jetzt freu ich mich erstmal auf das lange Wochenende und darauf, endlich mal Sete Lagoas näher erkunden zu können.

Samstag, 28. August 2010

Deutsche Sprache – schwere Sprache!

Dass die deutsche Grammatik nicht gerade leicht ist, vor allem für die, die sie lernen müssen, darüber sind wir uns wohl alle einig. Heute wurde mir aber auch mal gezeigt, wie schwer die Aussprache doch eigentlich ist.
Joao kam heute in die Creche; er wird am Dienstag mit ein paar anderen Serpafern nach Deutschland fliegen. Da er auf Deutsch bei einem Seminar etwas sagen wird, wollte er das mal mit mir üben. Ich habe den deutschen Text vorgelesen und er hat sich in Lautschrift aufgeschrieben, wie er das auszusprechen hat und hat die „schwierigen“ Wörter nachgesprochen. In dem Text kam so oft „ch“, „sch“, „ü“/“ä“/“ö“ vor und all diese komischen, schwer aussprechbaren Laute, die in unmöglicher Art und Weise hintereinander stehen. Bin ich froh, dass ich nicht Deutsch lernen muss!

Montag, 23. August 2010

So, nach und nach finde ich die Zeit, die Berichte über die ersten Tage in Sete Lagoas zu posten. Dieser Eintrag wurde am 18.08. verfasst...

Juhu, der Vorratsschrank ist gefüllt, ich muss kein Toastbrot mit Tomate oder Schokostreuseln mehr essen =) Ohne Witz, als ich heute gehört hab, dass Adriane mit uns einkaufen geht, war ich so glücklich. Das Gas vom Herd ist auch ausgetauscht worden, das Licht ist repariert. Ich hätte echt nicht erwartet, dass das alles so schnell erledigt wird, sondern eher nach brasilianischer Zeiteinteilung geschieht, aber schon wieder wurde meine Vermutung nicht bestätigt, was glaub ich eher an den Mitarbeitern von SERPAF liegt, als an der generellen Einstellung der Leute hier.
Heute waren Clara und ich auch in der Nova Cidade, einem der anderen SERPAF Projekte.
Wir waren total begeistert, die Atmosphäre war wirklich schön da. Wir saßen zwar fast die ganze Zeit nur in dem Büro herum, aber dieses war immer voll, immer wieder kamen Jugendliche oder Lehrer rein und die Leute waren irgendwie so freundlich und zufrieden. Ich konnte da auch schon etwas Gebackenes aus der Serpaf Bäckerei probieren und das war SO lecker =)
Adriane hat uns anhand einer Präsentation die Arbeit von SERPAF erklärt und diese Arbeit, die Serpaf hier leistet, hat mich echt beeindruckt! Sie wird uns die Präsentation noch schicken und ich wird sie dann hier reinstellen oder zumindest mal was darüber schreiben, denn das lohnt sich echt mal durchzulesen!
Danach hat sie uns ein bisschen über Deutschland ausgefragt, denn sie wird mit ein paar anderen in 2 Wochen nach Deutschland fliegen und das Partnerprojekt besuchen. Das war total süß, sie hat z.B. gefragt, ob sie Gummistiefel mitnehmen muss. Wenn es in Brasilien regnet, entwickeln sich die Straßen zu kleinen Flüssen; wir haben ihr dann gleich mal erklärt, dass das in Essen Werden eher selten der Fall ist ;-)
Heute Abend klingelte es dann an der Tür und Leo, der Freund unserer Vorgängerin, stand vor der Tür. Wir haben uns ein bisschen unterhalten und er wollte uns die Stadt zeigen. Da wir aber gerade beim Essen waren, verabredeten wir uns für Samstag. Ich freu mich schon darauf, die Stadt ein bisschen besser kennenzulernen, denn bis jetzt kenn ich noch fast gar nichts.
Und ja, ihr habt richtig verstanden, wir haben uns u-n-t-e-r-h-a-l-t-e-n. Wenn die Leute hier langsam sprechen, versteh ich schon recht viel. Auch die Kinder reden mehr mit mir, aber da versteh ich nur sehr sehr wenig, weil sie schneller und undeutlicher reden…heute habe ich auch schon mehr selber gesprochen, möchte aber echt nicht wissen, wie das für die geklungen hat ;-) Aber Übung macht aber schließlich den Meister.

Sonntag, 22. August 2010

1. Arbeitstag

So, hier berichte ich euch nun von meinem ersten Arbeitstag, der am 16. war...
leset und genießet ;-)

Der erste Arbeitstag ist geschafft :)
Heute Morgen, Clara und ich wollten grad das Frühstück vorbereiten, klingelte es am Tor und Vânia, die Mitarbeiterin, die uns mit zur Creche (dem Kindergarten) nehmen sollte, stand vor der Tür – es war 7:15 Uhr, uns wurde gesagt, dass sie um 8 kommen würde. Sie meinte, dass sie normalerweise um 7:30 Uhr fährt, also hatten wir noch Zeit, ein Toastbrot runter zu schlingen und uns die Zähne zu putzen. Mal wieder diese Verlässlichkeit im Bezug auf die Zeit ;-)
Am Montag und Dienstag werden Clara und ich nur in der Creche sein, weil Adriane, die Chefin von SERPAF, nicht da ist, am Mittwoch kommt sie allerdings wieder und wird uns auch noch die anderen Projekte zeigen. Wir haben schon eine lange Liste, was wir sie fragen müssen, fängt mit Internet an, geht über Supermarkt und endet bei Gas für den Herd (das ist anscheinend leer).
Der Tag in der Creche war schön, nicht so anstrengend wie erwartet, aber trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, 1 Jahr lang 8 Stunden da zu arbeiten, deswegen hoffe ich, dass die anderen Projekte mich auch ansprechen werden.
Von Anfang an kamen die Kinder auf uns zu und hatten keinerlei Berührungsängste.
Was ein bisschen kompliziert ist, ist den Leuten hier meinen Namen beizubringen. Hier wird das „d“ vor einem „e“ und „i“ wie „dsch“ ausgesprochen, weswegen ich mich gegen Ende einfachheitshalber als „Madschita“ vorgestellt habe ;-)
Am Anfang lachten die Kinder noch über diesen merkwürdigen Namen, doch ihre Namen waren für mich teilweise genauso unverständlich. Ein Junge stellte sich mir als Hobson vor…in der Klasse merkte ich, dass er Robson heißt, hier das R aber wir ein H ausgesprochen wird.
Nach dem gemeinsamen Frühstück gingen die Kinder in ihre „Klassen“; die Kinder in meiner Klasse sind zwischen 4 und 5 Jahre alt.
Der „Klassenraum“ besteht aus ein paar Tischen, Stühlen, 2 Schränken, einem Tisch mit Matratzen drauf und einer Tafel; das wars, kein Platz zum Spielen oder rumlaufen. Den größten Teil des Tages sitzen die Kinder an diesen Tischen und kriegen vorgeschrieben, was sie machen.
Nachdem sie ein Bild ausgemalt hatten, wurde den meisten Kindern ein haselnussgroßes Stück Knete ausgeteilt, mit dem sie am Tisch spielen konnten. Da aber nicht alle Kinder gleichzeitig mit dem Ausmalen fertig waren, saßen die Kinder, die schon fertig waren, eine Zeit einfach nur rum, bevor die Knete ausgeteilt wurde, andere waren so spät fertig, dass sie gar keine Knete bekamen und den anderen nur zuschauen konnten.
Vor dem Mittagsessen durfte „meine“ Klasse raus zum Spielen, eine der wenigen Möglichkeiten, selber zu bestimmen was sie machen. Trotzdem ist das ein ganz anderes Bild als in Deutschland, denn sie spielen auf einem Asphaltplatz, es gibt eine Kiste mit ein paar Spielsachen und ein paar „Klettergerüste“.
Nach dem Mittagessen wurden die Matratzen ausgelegt und die Kinder wurden schlafen gelegt. Allerdings wird den Kindern vorgeschrieben, wie sie sich hinzulegen haben – leg dich auf die Seite – mach die Augen zu – nein, leg den Kopf in die andere Richtung usw. Sogar Kinder, die schon schliefen, wurden angesprochen, dass sie sich anders hinlegen sollen…
Nachmittags kamen andere Betreuerinnen, es wurde gesungen, eine CD angehört (Cinderella), Bücher ausgeteilt (allerdings wird nichts vorgelesen, die Kinder blättern einfach nur darin rum), die Zahlen geübt…
Insgesamt haben die Kinder kaum Möglichkeiten, selber etwas auszuprobieren, ihre Energie rauszulassen und rumzulaufen, sondern sitzen viel am Tisch und sollen leise sein (was den meisten Kindern hier sehr schwer fällt). Die Professora gibt vor, was gemacht wird, hier ist nix mit „ich hab jetzt Lust auf Malen“; es hat alles eher einen schulischen Charakter.
Die Kinder sind aber alle ganz süß! Wenn sie etwas sagen, verstehe ich kein Wort, sondern lächle immer nur dumm…trotzdem kommen sie immer wieder, schmiegen sich an mich, spielen mit meinen Haaren (irgendwann musste ich sie zu einem Zopf binden, von allen Seiten wurden sie gestreichelt, geflochten oder daran gezogen)…
Nach jeder Mahlzeit stand meine ganze Klasse um meine Beine herum und umarmte mich. Das Bedürfnis nach Liebe kann ich verstehe, da in den Familien vermutlich andere Verhältnisse bzw. ein anderes Verhalten herrscht, als bei uns.
Nach der Arbeit sah ich zu Beispiel, wie das letzte Kind abgeholt wurde und das war ein ganz anderes Bild als in Deutschland. In dem Kindergarten in Deutschland, in dem ich meine Hospitation gemacht habe, sind die Kinder auf ihre Eltern zugelaufen und wurden in die Arme genommen.
Hier ging das Kind aus dem Kindergarten, zu seiner Mutter – keine Umarmung, kein Kuss. Sie gingen einfach los ohne eine besondere Begrüßung.

Heute Abend gabs Toastbrot mit Schokostreuseln. Ja, das klingt echt verlockend, oder? ;-)
Clara und ich sind nach der Arbeit ein bisschen durch die Straßen gelaufen auf der Suche nach einem Geschäft. In der Nachbarschaft gab’s einen kleinen Laden…allerdings gabs da keinen Aufschnitt oder Marmelade, deswegen beschlossen wir, Schokostreusel als Brotbelag zu kaufen, in Ermanglung von Alternativen. Hoffentlich kann Adriane mit uns am Mittwoch zu einem größeren Supermarkt fahren…